Eichhörnchen in Not - was tun?
Vier wichtigste Schritte: beobachten - schützen - wärmen - Leben retten!
Entgegen der weit verbreiteten Meinung darf man ein Eichhörnchen-Findelkind anfassen – die Mutter wird es deswegen nicht ablehnen. Ist es Ihnen bereits hinterhergelaufen oder sogar an Ihrem Hosenbein hochgeklettert? Dann braucht es dringend Ihre Hilfe!
Meist sind es Jungtiere, die hilfesuchend auf den Menschen zukommen. Eichhörnchen lassen sich in der Regel leicht mit der Hand aufnehmen. Sie übertragen keine Krankheiten und haben insbesondere keine Tollwut.
Haben Sie ein verletztes oder krankes erwachsenes Eichhörnchen gefunden, sollten Sie unbedingt Handschuhe tragen oder es vorsichtig mit einem großen Handtuch aufnehmen.
Eichhörnchen sind Fluchttiere. Wenn sie nicht mehr fliehen können, bleibt ihnen nur die instinktive Verteidigung mit ihren scharfen Nagezähnen.
Schützen Sie sich daher vor schmerzhaften Bissen – und gehen Sie dabei dennoch behutsam mit dem Tier um, als wäre es ein neugeborenes Menschenkind.
1. beobachten
Viele Jungtiere werden von ihrer Mutter zurückgeholt!
Ein Rückführungsversuch ist in den meisten Fällen sinnvoll und führt oft zum Erfolg. Lassen Sie ein scheinbar verwaistes Eichhörnchen daher nicht unbeobachtet liegen! Der Gedanke „Die Natur wird es schon richten“ ist längst überholt. Tatsächlich sind etwa die Hälfte der aufgefundenen Tiere nicht durch natürliche Umstände, sondern durch menschliches Handeln in diese lebensbedrohliche Lage geraten.
Um die Situation richtig einzuschätzen, beraten wir Sie gerne über unser Notfalltelefon. Beobachten Sie das Findelkind und schützen Sie es vor Katzen, Hunden und Rabenvögeln.
2. nach Geschwistertieren suchen
Die meisten Eichhörnchen-Findelkinder geraten in Not, weil ihre Mutter verstorben ist oder ihr Kobel zerstört wurde. In solchen Fällen betrifft es oft den gesamten Wurf, der aus vier bis sechs Jungtieren bestehen kann – sie sind dann auf menschliche Hilfe angewiesen.
Bitte prüfen Sie sorgfältig, ob sich am Fundort noch weitere Jungtiere befinden. Je nach Alter und Mobilität können sie sich in einem größeren Radius bewegen oder sich aus Angst verstecken. Nehmen Sie sich daher ausreichend Zeit und suchen Sie den Fundort gegebenenfalls mehrfach über zwei bis drei Tage hinweg auf.
3. schützen und wärmen
Alle lebenswichtigen Körperfunktionen hängen von einer stabilen Körpertemperatur ab. Eichhörnchen-Findelkinder können ihre Temperatur noch nicht selbstständig regulieren und sterben daher oft an Unterkühlung. Selbst bei sommerlichen Temperaturen kühlen geschwächte oder sehr junge Tiere schnell aus. Zudem holen Muttertiere unterkühlte und verletzte Jungtiere nicht zurück.
Falls Sie ein Jungtier mitnehmen müssen, ist Wärme überlebenswichtig. Geeignet sind eine handwarme, in ein Tuch gewickelte Wärmflasche, ein Körnerkissen oder ein Heizkissen auf niedriger Stufe. Achten Sie darauf, dass das Tier die Möglichkeit hat, sich von der Wärmequelle zu entfernen, wenn es ihm zu warm wird.
Die Wärmezufuhr sollte so erfolgen, wie bei einem neugeborenen Menschenkind – sanft und mit Vorsicht. Achten Sie darauf, dass das Tier nicht überhitzt oder sich verbrennt.
Zum Einkuscheln genügt ein Handtuch oder T-Shirt. Materialien wie Heu, Stroh, Laub oder Moos sind für die Erstversorgung nicht geeignet.
Legen Sie das Eichhörnchen in eine gut belüftete Box oder einen Karton und stellen Sie diesen an einen ruhigen Ort in der Wohnung. Bitte vermeiden Sie jeglichen Kontakt zu Ihrem Haustier und lassen Sie Kinder nicht mit dem Tier spielen. So niedlich es auch aussieht – Eichhörnchen sind keine Kuscheltiere!
Auch wenn das Jungtier aktiv wirkt, kann es bereits völlig erschöpft sein. Lassen Sie ihm Ruhe und folgen Sie diesmal dem Grundsatz: „Nur anschauen – nicht anfassen!“
4. Eichhörnchen Rettungsstation anrufen!
Kontaktieren Sie bei Nähe zu Burgdorf und Umgebung die Eichhörnchen Rettungsstation Burgdorf.
Für uns sind Eichhörnchen keine Sache, sondern ein fühlendes, kleines Lebewesen! Bitte habt Respekt und Liebe auch beim Transport eines hilflosen Eichhörnchens!
So bitte nicht!!!
Am 14. Juli 2026 erreichte uns ein Notfall, der uns noch lange beschäftigt hat.
Leider hat das kleine Eichhörnchen – gerade einmal sechs Wochen alt – den Kampf nicht geschafft.
Diesen traurigen Anlass möchten wir nutzen, um auf einen wichtigen Punkt aufmerksam zu machen:
Wie transportiere ich ein verwaistes oder verletztes Eichhörnchen richtig?
Jedes Eichhörnchen, das aufgenommen und transportiert wird, benötigt einen geschützten Rückzugsort. Die Tiere befinden sich in einer Ausnahmesituation, haben Angst und stehen unter erheblichem Stress. Ein weiches Handtuch, eine kleine Decke oder auch ein sauberes Kleidungsstück, auf das man verzichten kann, gibt dem Eichhörnchen die Möglichkeit, sich einzukuscheln und zu verstecken. Dieser geschützte Rückzugsraum ist für jedes Eichhörnchen wichtig – ganz besonders aber für verletzte Tiere.
Das Tuch sollte zusammen mit dem Eichhörnchen in eine Transportbox oder einen Karton mit ausreichend Luftlöchern gelegt werden. So ist das Tier während des Transports sicher untergebracht und möglichst wenig äußeren Reizen ausgesetzt.
Immer wieder werden wir gefragt, ob zusätzlich eine Wärmequelle notwendig ist.
Die Antwort lautet: Das hängt vom Einzelfall ab. Ob ein Eichhörnchen Wärme benötigt und in welcher Form diese sicher angeboten werden kann, sollte immer nach Rücksprache mit einer fachkundigen Eichhörnchenstation erfolgen.
Bitte verwendet nicht eigenständig Wärmflaschen, Heizkissen oder andere Wärmequellen. In der Praxis erleben wir leider immer wieder Tiere, die mit Verbrennungen, überhitzt oder auch unterkühlt bei uns ankommen. Eine falsche Wärmeversorgung kann den Zustand eines Eichhörnchens erheblich verschlechtern.
Deshalb gilt: Sichert das Eichhörnchen in einem weichen, geschützten Nest und nehmt anschließend umgehend Kontakt zu einer fachkundigen Eichhörnchenstation auf. Dort erhaltet ihr eine individuelle Anleitung, die auf den Zustand des Tieres abgestimmt ist.
Mit einem ruhigen, sicheren Transport und einer fachkundigen Beratung könnt ihr entscheidend dazu beitragen, dass ein verwaistes oder verletztes Eichhörnchen die bestmögliche Hilfe erhält. Leider erreichte uns ein Fall, der uns tief erschüttert hat.
Ein junges Eichhörnchen war durch den Fang einer Hauskatze verletzt worden. Was uns jedoch besonders betroffen gemacht hat, war der Umgang mit dem Tier nach seiner Bergung.
Das kleine Eichhörnchen wurde ohne jeden Schutz, ohne ein weiches Nest und ohne die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, auf ein verschmutztes Backblech in einen leeren Karton gelegt. Für ein verletztes Wildtier, das sich in einer extremen Stress- und Angstsituation befindet, ist ein solch liebloser und respektloser Umgang kaum vorstellbar.
Erst mehrere Stunden später schaltete sich eine sehr engagierte und mitfühlende Person ein und brachte das Eichhörnchen zu uns. Leider kam jede Hilfe zu spät.
Solche Erlebnisse möchten wir nicht noch einmal erleben müssen. Deshalb bitten wir euch: Teilt dieses Wissen und helft dabei, das Bewusstsein für einen respektvollen Umgang mit Wildtieren zu stärken.
Verletzte oder verwaiste Wildtiere sind keine Gegenstände. Sie empfinden Angst, Stress und Schmerzen. Sie suchen Schutz und Geborgenheit – genau wie jedes andere Lebewesen. Ein weiches Tuch, ein ruhiger, geschützter Transport und ein achtsamer Umgang können für ein Tier einen entscheidenden Unterschied machen.
Bitte schaut nicht weg und behandelt Wildtiere in Not mit Respekt und Mitgefühl. Sie sind vollständig auf unsere Hilfe angewiesen.


